Wie du mir, so ich dir

Wie du mir, so ich dir

Wenn wir in einen Konflikt geraten und uns getroffen und angegriffen fühlen, dann entsteht leicht der Impuls in uns, es auf gleichem Wege heimzuzahlen. Die verletzenden Dinge können dabei ganz unterschiedlicher Natur sein. Mal fühlen wir uns vernachlässigt und ungerecht behandelt, mal trifft uns ein Wort unseres Gegenübers. Mit einem Gegenangriff versuchen wir dann von unserem eigenen Schmerz abzulenken und wollen uns vor weiteren Angriffen schützen oder gar dem Anderen weh tun. Dies geschieht sogar bei Menschen, die wir lieben. Und da wird das Paradoxe besonders deutlich. Wir wollen einem Menschen bewusst wehtun, obwohl wir ihn lieben.

Natürlich ist es wichtig, sich nicht alles gefallen zu lassen und Grenzen aufzuzeigen, doch geht das auch auf anderem Wege, ohne einen anderen Menschen dabei bewusst zu verletzen. Gefühle gehören zu unserem Leben und haben eine wichtige Daseinsberechtigung. Lernen wir sie zu verstehen, dann sind unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen entspannter. Geraten wir in einen inneren Konflikt, in dem wir unsere Emotionen nicht mehr deuten können, dann sind wir gefangen in unserem Schmerz und Angst beherrscht unser Tun und Handeln.

Werden wir von einem anderen Menschen verletzt, so gibt es direkt nach diesem „Angriff“ einen Augenblick zwischen Angriff und der eigenen Reaktion. Diesen Augenblick gilt es wahrzunehmen und zu nutzen, denn er gibt uns die Chance einen Abstand zu unseren eigenen Gefühlen zu erhalten. Wir können so versuchen, eine Beobachterrolle einzunehmen und herauszufinden, warum uns die Äußerung des Gegenübers so verletzt. Trifft diese den eigenen Stolz, schürt sie Ängste oder verstärkt sie die eigene Eifersucht?
Um den eigenen unangenehmen Gefühlen auszuweichen, versuchen wir uns abzulenken, in dem wir die Verantwortung abgeben und dem anderen die Schuld in die Schuhe schieben. Das scheint vorerst der einfachere Weg zu sein, statt die eigenen Emotionen infrage zu stellen.

Um der Sache nach und nach auf den Grund gehen zu können, ist es wichtig, den eigenen Gefühlen zu begegnen und sich zu fragen, was die Ursache für den eigenen Ärger sein könnte, welche Verletzung dabei am schlimmsten empfunden wird, ob dabei Erinnerungen geweckt werden und in welchen Situationen dieser Ärger auftritt. Dies ist ein allmählicher Prozess, aber es lohnt sich, denn nur so können wir die Dinge nach den eigenen Wünschen gestalten und verlieren dabei immer mehr die Opferrolle.
Das Miteinander funktioniert zwar nicht immer reibungslos, doch letztendlich kommt es auf unsere innere Einstellung drauf an, darauf, empathisch auf den anderen zuzugehen und unsere eigenen Erwartungen zu überprüfen und mehr Achtsamkeit zu entwickeln.

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