Weniger ist mehr

Weniger ist mehr

Ich bin 38 Jahre alt und hatte im Laufe meines Lebens so allerhand Zeugs angesammelt. Die ganzen Sachen verstopften die Schränke und Regale oder lagen unbenutzt in der Ecke rum. Schon beim Putzen wurde mir die Arbeit durch die nutzlosen Gegenstände erschwert. Mit der eigentlichen Arbeit konnte ich erst beginnen, wenn ich die Sachen von A nach B geräumt hatte. So wurde der Wohnungsputz zum Zeitfresser. Die Sachen waren noch gut erhalten, doch hatten sie keinen großen Mehrwert. So dienten Kerzenständer und Vasen nur als Staubfänger. Mein Kleiderschrank quoll über. Darin ruhtenKlamotten, längst aus der Mode gekommen, die ich einst getragen hatte und vielleicht in ferner Zukunft noch mal anziehen würde, vorausgesetzt ich passte noch hinein. Das alles wollte ich nicht mehr! Doch wohin mit dem ganzen Kram der mit so vielen Erinnerungen behaftet war? Dass dieser Besitz mich unglücklich machte, wurde mir schmerzlich bewusst. Ich krempelte die Ärmel hoch und startete das Projekt „weniger ist mehr“.

Im Keller begann ich auszusortieren. Gott sei Dank wurde ich von meinem Freund tatkräftig unterstützt, sonst wäre ich zwischendurch schier verzweifelt. Wir richteten verschiedene Ecken ein und differenzierten zwischen Sachen, die weggeworfen werden konnten und Dingen, die wir auf dem Flohmarkt loswerden wollten, um damit die Urlaubskasse auszubessern. So langsam sah ich Licht am Ende des Tunnels und wurde innerlich ruhiger. Ausmisten tat meiner Seele gut. Endlich hatte ich wieder Platz. Wenn ich heute in einem Laden stehe und etwas sehe, was ich unbedingt haben möchte, dann überlege ich mir zehn Mal, ob ich diesen Gegenstand auch wirklich brauche. Meist stelle ich ihn dann wieder weg und sage mir, dass es sich mit leichtem Gepäck leichter durch das Leben reisen lässt. Ich habe endlich gelernt mich von überflüssigem Ballast zu befreien.

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